Foto: Niendorfer Wochenblatt vom 11.07.2018

Mit dem Projekt Aurora engagiert sich der NABU zusammen mit seiner Fachgruppe Entomologie für die Schmetterlinge in Hamburg. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern sollen Lebensräume für Schmetterlinge geschaffen werden. Im Rahmen des Aurora Projekts wurde deshalb 2017 ein neuer Pflegeplan für die Wiese zwischen dem Spielplatz Bondenwald und dem Damwildgehege an der Revierförsterei entwickelt, bei dem die Wiese nur noch teilweise und mit insektenschonenden Methoden gemäht wird. Das Niendorfer Wochenblatt berichtete 2018 über das Projekt, das auf Initiative und mit finanzieller Unterstützung von unserem Verein Pro Niendorfer Gehege entstand.

Was bedeutet „Mahd“?

Bei der Mahd werden die Gräser und Kräuter auf einer Fläche geschnitten. Dies ist wichtig, um sicherzustellen, dass die Gräser langfristig die Blütenpflanzen nicht verdrängen. Bei modernen Mahdverfahren werden viele Bewohner der Wiese Opfer der Mähgeräte und deshalb wird hier eine schonende Mahd mit Sense oder einem Balkenmäher durchgeführt. Es ist sehr wichtig, dass stets nur eine Teilmahd durchgeführt wird (z. B. sog. „Mosaikmahd“), damit die Tiere nicht auf einen Schlag ihren gesamten Lebensraum verlieren. So können sie sich von den gemähten Flächen auf die nicht gemähten Flächen zurückziehen und später die gemähten Wiesenstücke wieder besiedeln. Diese Maßnahmen erhöhen die biologische Vielfalt.

Sensen und Abharken geht Hand in Hand (Foto: NABU, 2024)

Aus Mitteln des Vereins Pro Niendorfer Gehege wurde zunächst ein spezieller Balkenmäher beschafft. Damit wurde die Wiese seit 2018 nur zweimal im Jahr gemäht, Teilflächen blieben und bleiben ungemäht. Inzwischen erfolgt die Mahd in kleinen Abschnitten durch Sensen. Die Aussaat geeigneter Futterpflanzen für bedrohte Schmetterlinge soll die Artenvielfalt erhalten und fördern. Diese spezielle Wiesenpflege ist dem Lebenszyklus von Schmetterlingen angepasst und ist die wichtigste Maßnahme für den Schutz von Insekten. Außerdem ergänzt schmetterlingsgerechte Nachsaat das Nahrungsangebot für die Falter und sollte auch seltene Arten anziehen.

Die Bewohner dieser Wiese

Die Wiese ist Lebensraum vieler Insekten und anderer Kleintiere. All diese Bewohner der Wiese haben unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum. Dies wird durch eine strukturreiche Fläche und eine breites einheimisches Pflanzenangebot gewährleistet.

Eine der Zielarten, die von den Pflegemaßnahmen profitiert, ist das hübsche Ampfer-Grünwidderchen. Die Weibchen legen ihre Eier auf Sauerampfer ab, wo sich die Raupen entwickeln. Zudem benötigen die Ampfer-Grünwidderchen eine reiche Vielfalt an Blüten und Nektarpflanzen.

Weitere Zielarten sind die Braundickkopfalter, deren Raupen fressen an verschiedenen Grasarten und überwintern dort. Durch das Stehenlassen von Teilen der Wiese wird auch die Population der Braundickkopfalter gefördert.

Welche Schmetterlinge und Insekten sich im Hochsommer auf den Wiesen rund um das Niendorfer Gehege schon alle tummeln, zeigt eindrucksvoll das Juli-Bild unseres Fotokalenders 2020:

Erste Reihe oben von links nach rechts: Dickkopffalter, Landkärtchen, Kuckucksbiene, C-Falter Zweite Reihe Mitte von links nach rechts: Hauhechel-Bläuling, Marienkäfer, Tagpfauenauge, Schornsteinfeger Dritte Reihe unten von links nach rechts: Großes Heupferd, Feuerfalter, Faulbeerbaum-Bläuling, Florfliege
Foto: NABU, 2024

Im hohen Gras fühlen sich aber auch Amphibien wohl: Grasfrösche, wie auf dem Bild links und andere Amphibien werden regelmäßig gesichtet. Inzwischen hat sich die Anzahl der beobachteten Arten auf der Wiese deutlich erhöht, was alle Akteure natürlich freut und motiviert. Grashüpfer, Kröten, jede Menge unterschiedlichster Käfer, die ein oder andere Raupe, aber auch Waldeidechsen wurden schon gesichtet.

Einen Unterschlupf aus Totholz, der im Sommer 2024 errichtet wurde, nahmen die Waldeidechsen(schlüpflinge) sofort an.

Im Sommer 2022 erkundigte sich der damalige Bezirksamtsleiter Kay Gätgens persönlich nach dem aktuellen Stand – Vertreter unseres Vereins waren mit vor Ort. Das Niendorfer Wochenblatt berichtete dazu.

Foto: NABU, 2024

Auch der Tümpel auf der Wiese benötigt regelmäßige Pflege: Im Sommer müssen Algen herausgefischt werden und im letzten Herbst wurden aus dem Totholz kleine Inseln angelegt und die im Tümpel dicht wachsenden Binsen teilweise entfernt. Der Tümpel ist als Laichgewässer für Grasfrösche, Erdkröten, Teich- und Bergmolche (alles bedrohte Tierarten) angelegt worden. Im Sommer sind hier häufig verschiedene Libellenarten zu bewundern.

Zum Schutz vor freilaufenden Hunden (bitte anleinen!) und allzu neugierigen Wiesenbesuchern wurde der Tümpel mit einem Zaun versehen.

Erfolgsfaktor: Kooperation zwischen NABU, Revierförsterei und unserem Verein

Die Wiese gehört mit dem angrenzenden Wald zur Revierförsterei Niendorfer Gehege und liegt in deren Zuständigkeit. Im Rahmen des Projekts Aurora wird die Fläche gemeinschaftlich betreut. Der NABU übernimmt das Monitoring, gibt Pflegeempfehlungen und übernimmt die Mahd der Fläche, der Verein Pro Niendorfer Gehege unterstützt das Projekt (primär finanziell und bei der Öffentlichkeitsarbeit) und die Försterei übernimmt die Gehölzpflege.

Wie können Sie das Projekt unterstützen?

Zum Schutz der Pflanzen und Tiere bitten wir Sie, die Wege zu beachten und Hunde an der kurzen Leine zu führen! Bitte meiden Sie hohes Gras (u. a. wegen Zecken). Wenn Sie sich mit etwas Zeit bei den regelmäßigen Pflegearbeiten auf der Wiese einbringen wollen, melden Sie sich gern bei Irm Hermans vom NABU (E-Mail hermans@nabu-hamburg.de oder telefonisch unter 040-5554351). Gleiches gilt, wenn Sie mehr über die Arbeit auf der Wiese erfahren wollen.

AURORA Projekt